Mein erstes Semester an der Burg Giebichenstein liegt hinter mir. Und wenn ich es mit einem Gefühl beschreiben müsste, dann wäre es: Chaos. Aber im besten Sinne.
Es war ein Abenteuer – überwältigend, inspirierend, neu. Neue Menschen, neue Möglichkeiten, neue Denkweisen und eine ganz neue Bubble. Alles war plötzlich da und gleichzeitig war ich noch dabei, überhaupt richtig anzukommen – in Halle, an der Burg.
Vielleicht war es genau deshalb gut, dass das Grundlagenstudium zunächst vergleichsweise „simpel“ aufgebaut war. Nicht im Sinne von belanglos – sondern greifbar. Es hat mir Raum gegeben, erst einmal da zu sein, zu beobachten, aufzunehmen. Ich habe schnell gemerkt: Ankommen ist kein Moment, sondern ein Prozess. Und ich bin noch mittendrin – aber auf eine gute Art.
Ein erstes richtiges „angekommen sein“ kam nicht durch ein Projekt, sondern durch Routine. Durch Kleinigkeiten.
Zu wissen, dass wir mittags gemeinsam in die Mensa gehen, danach unseren Kaffee im Konsum 3000 trinken. Diese kleinen Rituale haben sich plötzlich so selbstverständlich angefühlt – und genau da hat mich die Uni wirklich willkommen geheißen.
In diesem Semester habe ich viel über mich gelernt. Vor allem, dass ich noch unglaublich viel lernen will. Nicht aus einem Mangel heraus, sondern aus Neugier. Die Offenheit, die das Grundlagenstudium verlangt, hat mir gezeigt, wie prägend selbst scheinbar einfache, flexible Aufgaben sein können – wenn man sich wirklich auf sie einlässt. Oft merkt man erst Tage später, was sie innerlich ausgelöst haben. Und das finde ich wahnsinnig spannend zu beobachten.
Handwerk hat in diesem Semester noch keine große Rolle gespielt – zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber alles, was mit den Händen zu tun hat, bleibt tief in meinem Herzen verankert. Nähen, Materialien, textile Prozesse – das gehört zu mir, und ich weiß, dass ich diesen Weg weitergehen werde.
Thematisch haben sich für mich vor allem gesellschaftliche Fragen, Identität, Nachhaltigkeit und Prozesse herauskristallisiert. Mein Blick auf Mode ist freier geworden – und gleichzeitig kritischer. Nicht negativ, sondern wacher. Mir fallen immer mehr Details auf. Ich merke, wie mein Kopf Dinge miteinander verknüpft, wie Gedanken weiterarbeiten, auch wenn man längst nicht mehr aktiv darüber nachdenkt. Dieses innere Mitdenken zu beobachten, ist fast genauso spannend wie das Gestalten selbst.
Besonders dankbar bin ich für die Menschen um mich herum. Meine Uni-Freunde bedeuten mir viel – so herzliche, unterschiedliche Menschen, die alle aus anderen Richtungen kommen und meinen Blick ständig erweitern. Und natürlich für die kleinen Highlights des Alltags: der Kaffee in der Mittagspause, der Geruch von Werkstätten, meine Skizzenbücher, die sich Seite für Seite füllen.
Die Modewochen waren für mich jedes Mal ein kleines Aufleuchten.
Siebdruck in der Werkstatt (den ich über alles geliebt habe), Handstickerei – bei der ich richtig aufgeblüht bin – und Drapage mit einem Dozenten aus dem echten Modealltag. Obwohl ich vieles aus meiner Ausbildung kannte, habe ich Neues gelernt. Und vor allem gespürt: Ich kann immer weiter lernen. Genau das gibt mir Sinn und Motivation.
Auch wenn mir das Grundlagenstudium Spaß macht, liegt mein Herz ganz klar bei diesen Wochen. Dort merke ich jedes Mal aufs Neue, dass ich mich für das Richtige entschieden habe. Für die Mode. Für diesen Weg.
Ich freue mich auf das nächste Semester. Auf freieres Arbeiten, mehr Eigenständigkeit, mehr Experimente. Darauf, meine Handschrift weiter zu entwickeln – und darauf, zu sehen, wohin mich dieser Weg noch führen wird.
Ich bin gespannt. Und ich bin genau da, wo ich gerade sein möchte.


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