Ein Semester. Eine Frage. Ein Prozess.
„Wer will ich sein? Wer wollte ich schon immer sein?“ Die Aufgabe im fünften Semester war es, ein Ego zu erschaffen – eine Identität, die nicht nur meine Persönlichkeit widerspiegelt, sondern auch meine Wünsche, meine Ängste und die gesellschaftliche Realität, in der ich mich bewege.
Mein erster Gedanke war unmittelbar und unausweichlich: Ich bin eine Frau. Doch was bedeutet das wirklich? Welche Facetten birgt diese Identität? Welche Frau möchte ich sein – und welche Frau erlaubt mir die Gesellschaft zu sein? Mutter, Karrierefrau, Partnerin? Kann ich all das sein? Oder muss ich mich entscheiden?
Die Suche nach Identität – Ein Mosaik aus Erfahrungen
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich Moodboars erstellt, um meine Gedanken seperierter darzustellen. Jede Collage zeigt eine Seite des Frauseins, eine Facette, ein Leben, das ich leben könnte. Manche sind Träume, andere Mahnungen. Jede Collage könnte auf jede Frau zutreffen, doch am Ende ist jede von uns individuell.
Es gibt die Jungfräuliche – den Beginn, den Ursprung. Eine Frau, die naiv und unberührt in die Welt tritt, frei von gesellschaftlichen Erwartungen. Doch diese Unschuld währt nicht lange. Früher oder später wird sie mit den Bildern konfrontiert, die die Gesellschaft von ihr hat.
Dann ist da die Schwesternschaft – die einzigartige Verbindung zwischen Frauen, sei es als Familie oder als Wahlverwandtschaft. Freundinnen, die gemeinsam wachsen, einander stützen, sich verstehen, ohne viel sagen zu müssen. In einer Welt, die Frauen oft gegeneinander ausspielt, ist diese Solidarität eine stille, aber mächtige Rebellion.
Die Single-Frau lebt zwischen Freiheit und gesellschaftlichem Druck. Sie kann tun, was sie will, sich ausprobieren, Fehler machen, sich neu erfinden. Aber immer schwingt die Frage mit: „Wann wirst du endlich sesshaft? Wann wirst du erwachsen?“ Sie lebt in einem paradoxen Zustand – ungebunden und doch von Erwartungen erdrückt. Ihre Freiheit ist großartig, aber manchmal auch einsam.
Die Partnerin, die Hausfrau, die Ehefrau – eine Rolle voller Gegensätze. Im schlimmsten Fall bedeutet sie Aufopferung, Unsichtbarkeit, eine Existenz im Schatten eines anderen. Eine Frau, die funktioniert, sich aufreibt, ohne etwas zurückzubekommen. Ein Korsett, das sie formt, aber auch einengt. Hände, die durch Waschhandschuh und Ring gefesselt sind, ein Symbol für häusliche Arbeit, die oft nicht anerkannt wird. Doch es gibt auch das andere Bild: Eine gleichberechtigte Partnerschaft, eine Liebe, die stärkt statt nimmt. Die Erkenntnis, dass eine Beziehung keine Einbahnstraße sein darf.
Die Mutter – für viele die tiefste Form der Liebe, aber auch die größte Herausforderung. Die bedingungslose Hingabe an ein Kind ist wunderschön und zugleich erschöpfend. Eine Frau gibt Teile ihrer eigenen Identität auf, um Platz für eine neue zu schaffen. Die Mutterrolle ist erfüllend, aber nicht ohne Preis.
Die Karrierefrau bewegt sich in einem System, das nicht für sie gemacht wurde. Sie arbeitet härter, kämpft gegen Ungleichheit, wird oft unterschätzt. Der Gender Pay Gap, die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Mutterschaft als Karrierehindernis – es sind Steine im Weg, die ihre männlichen Kollegen nie in den Händen halten mussten. Und doch geht sie weiter. Weil Unabhängigkeit unbezahlbar ist. Weil Erfolg eine Form der Selbstbestimmung sein kann. Weil sie es verdient.
Die Witwe, ob gewollt kinderlos oder nicht (mehr) verheiratet, lebt ein Leben, in dem sie endlich tun kann, was sie möchte. Ihr „gesellschaftlicher Auftrag“ scheint erfüllt, sie wird nicht mehr beobachtet, nicht mehr bewertet. In dieser Unsichtbarkeit liegt Freiheit. Zum ersten Mal ist sie nur sich selbst verpflichtet.







FEMINA – Ein Mantel als Symbol für all diese Frauen
All diese Gedanken formten den Entwurf für meinen Mantel. Ein Kleidungsstück, das all diese Identitäten in sich trägt, das die Schönheit und die Last des Frauseins sichtbar macht.
Die breiten Schultern sind ein Zeichen der Stärke, der Präsenz. Sie erinnern an professionelle Anzüge, die Autorität ausstrahlen – eine Anleihe an die Karrierefrau, die sich ihren Platz erkämpfen muss.
Die betonte Taille und Hüfte spiegeln den weiblichen Körper wider, aber auch die Ideale, die Frauen auferlegt werden. Schönheit ist nicht neutral, sie wird geformt, erwartet, kontrolliert. Die Teilungsnähte erinnern an ein Korsett – etwas, das stützt, aber auch einengen kann.
Die Dreiviertelärmel geben Schutz, aber auch Bewegungsspielraum. Der hohe Kragen bewahrt die Selbstbestimmtheit der Trägerin, gibt ihr Haltung, ohne sie zu sexualisieren. Der weibliche Körper wird oft automatisch mit Erotik gleichgesetzt – hier liegt der Fokus auf der Präsenz, nicht auf der Projektion.
Das lila Innenfutter ist eine Referenz an den Feminismus, an den jahrhundertelangen Kampf um Gleichberechtigung. Kombiniert mit Hellblau, einer Farbe, die traditionell Sanftheit repräsentiert, aber in diesem Kontext für Klarheit und Wandel steht.
Die Handschuhe sind eng, unbeweglich und schränken die Finger ein – sie lassen sich nicht richtig greifen. Sie sind ein Symbol für die ständigen Einschränkungen, die Frauen erfahren: Sie können sich bewegen, doch ihre Handlungen bleiben begrenzt.
Und dann der Überwurf. Sechs Kilogramm schwer – eine Last, die buchstäblich auf den Schultern drückt. Diese Bürde, die seit Generationen Frauen auferlegt wird, trägt das Gewicht von Verantwortung, Erwartungen und Unsichtbarkeit. Grob gewebt, so wie die Körbe, die Frauen oft auf ihren Köpfen balancieren, wird von ihnen erwartet, dass sie diese Last tragen, ohne dass jemand nachfragt, wie schwer sie wirklich ist.
Der Überwurf steht für die erdrückende Unsichtbarkeit dieser Bürde: die Erwartungen der Gesellschaft, der ständige mentale Druck und der Versuch, allem gerecht zu werden. Die verbundenen Augen und der verschlossene Mund symbolisieren das Gefühl, unsichtbar zu sein, nicht gehört zu werden, gefangen in einem System, das wenig Raum für echte Selbstbestimmung lässt.
Mit verbundenen Augen und Mund. Nicht sehen, nicht sprechen. Eine Frau, die ihre Umgebung nur ertasten kann, sich durch ein System bewegt, das sie klein und stumm halten möchte. Doch sie bleibt nicht stehen. Sie trägt, sie geht weiter, sie hält durch.
Doch trotz allem bleibt die innere Stärke. Trotz der Einschränkungen, trotz der Unsichtbarkeit kämpft die Frau weiter. Sie ringt nach ihrer Stimme, ihrem Platz und ihrer eigenen Wahrheit. Der Mantel zeigt diesen Widerspruch: die äußere Eleganz und Stärke und die unsichtbare Last, die tief im Inneren getragen wird. Sie ist ein stiller Protest gegen die gesellschaftlichen Erwartungen – ein Symbol für den unaufhörlichen Kampf um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.
An all die Frauen, die ihren eigenen Weg gehen:
FEMINA ist eine Anerkennung für euch. Für jede Frau, die ihre Meinung vertritt, auch wenn sie nicht immer gehört wird. Für jede Frau, die ihre Verantwortung trägt, auch wenn sie nicht immer sichtbar ist. Für jede Frau, die für sich selbst einsteht – in jedem Abschnitt ihres Lebens, in jeder Herausforderung, die sie meistert.
Denn am Ende ist es wertvoll, eine Frau zu sein. Frauen kämpfen nicht nur für sich selbst – sie kämpfen auch für ihre Freundinnen, Schwestern und Töchter. Sie tragen viel, aber sie stehen immer wieder auf. Sie zeigen, was es bedeutet, Stärke zu haben, auch wenn der Weg nicht immer einfach ist. Sie erinnern uns daran, dass wahre Kraft nicht nur in körperlicher Stärke liegt, sondern in der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen, auch wenn die Welt uns niederdrückt.
Eine gute Partnerschaft, wahre Freundschaften, Mutterschaft – all das kann erfüllend sein. Und wenn es das nicht ist? Dann schaffen Frauen neue Wege. Sie lassen sich nicht auf eine Rolle festlegen, sie gestalten sich selbst, erfinden sich neu, wenn es nötig ist. Sie brechen aus, setzen ihre eigenen Grenzen und definieren sich selbst – nicht nach den Erwartungen der Welt, sondern nach ihrem eigenen inneren Kompass. Denn Frauen sind nicht nur stark – sie sind voller Möglichkeiten, Ideen und Visionen, die die Welt bereichern.
FEMINA ist mehr als nur ein Mantel. Es ist eine Erzählung, eine Erinnerung, eine Stimme. Es ist mein Symbol für den unaufhörlichen Wandel, die kontinuierliche Entwicklung und die Stärke, die in jeder Frau steckt. Für die Frauen, die sich nicht davon abhalten lassen, ihre Träume zu verfolgen, ihre Ziele zu erreichen und für das einzustehen, was sie verdienen.
Und es gehört euch. Denn jede Frau, die ihren Weg geht, trägt diesen Mantel – nicht nur als Schutz, sondern als Ausdruck ihrer eigenen Geschichte und Kraft.






















Model/Fotografin: Elisa (Frankie) Natt und Anna Hampusch
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Liebe an meine Mama und Oma, die mich mit all der Liebe, die sie hatten, großgezogen haben und mir gezeigt haben, wie stark Frauen sein können.
Liebe an meine Freundinnen Lotta, Frankie, Jula und all die anderen wundervollen Frauen, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, wie wertvoll unsere Freundschaft ist.
Liebe an meinen Partner, der mir immer wieder zeigt, dass ich all meine Träume verwirklichen kann und mir in jeder Situation den Rücken stärkt.
Liebe an alle Frauen da draußen!


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