eine Hommage an meine Heimat

Man muss wohl erst wegziehen, um zu merken, wie sehr man seine Heimat schätzt. Im dritten Semester habe ich eine Kollektion zu Ehren meiner Heimat, dem Spreewald, bestehend aus zehn Hosenanzügen entworfen. Ich bin im Spreewald geboren, sowie aufgewachsen und trage daher einen großen Teil meiner Heimat in mir, welche mich zu dieser Kollektion inspiriert hat.

Aber ganz zum Anfang zurück. Unsere Aufgabe war es, die folgenden vier Wörter selbst zu interpretieren und daraus ein eigenes Konzept zu entwickeln. Die vier Wörter, die die Grundlage für meine Kollektion darstellen, lauten: UNI FORM TRASH POLKA.

Bei dem Begriff „Polka“ ist mir sofort das Lied Annemarie Polka eingefallen. Bereits im Kindergarten wurden uns die wenigen simplen Tanzschritte beigebracht und von dort an tanzt man zu sämtlichen Anlässen diesen zwar fragwürdigen, aber durchaus spaßigen Tanz. Die „Uniform“ des Spreewalds ist die Spreewaldtracht und ab da stand fest, dass ich meinen Hosenanzug dem Spreewald widmen werde.

Die herkömmliche Spreewaldtracht für Frauen besteht aus vielen Schichten Stoff, aufwendig bestickten Tüchern und einer Menge an Geduld, bis man diese unfassbar wertvolle Tracht angezogen hat. Kurz gesagt, habe ich mir folgende Fragen gestellt: Warum muss die Tracht für die Frau ein Kleid sein? Wie kann man die Tracht effizienter herstellen? Und wie kann man mit einem simplen Hosenanzug, für die Frau, Tradition und Heimat widerspiegeln?

Tradition wird oft als unantasbar gesehen und von Generation zu Generation weitergegeben. Aber was ist, wenn die junge Generation zu wenig Bezüge zur eigenen Tradition hat und woran liegt das? Wäre es schlau, einen neuen Anreiz für die kommenden Generationen zu schaffen, um weiterhin mit der Tradition und der Heimat verbunden zu bleiben?

Viele Familien besitzen noch original hergestellte Trachten, welche innerhalb der Familie geändert und somit weitergegeben werden. Eine Neuanfertigung der traditionellen Tracht ist eine kostenspielige Sache. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass junge Leute wenig Geld übrig haben, sich ein Stück Heimat, in Form eines Kleidungsstücks, anzuschaffen.

Ein anderer Punkt, den ich innerhalb meiner Kollektion thematisiert habe, ist, dass sich nicht alle Frauen wohl in solch prunkvollen Kleidern fühlen. Wie kann ich mit voller Überzeugung meine Heimat repräsentieren, wenn ich mich in dem einzig vorhandenem Kleidungsstück nicht besonders wohl fühle? Somit habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, eine Alternative zu schaffen. In diesem Fall eine Alternative für Frauen: ein festlicher Hosenanzug anstelle des „Kleides“.

Nachdem also mein Konzept feststand, bin ich in die Phase der Ideenfindung gegangen und habe begonnen an den ersten Entwürfen zu arbeiten. Ich habe mich an den Silhouetten der Spreewaldtracht orientiert, diese in geometrische Formen runtergebrochen und dann innerhalb dieser entstandenen Silhouetten meine Entwürfe einegarbeitet. Das erklärt sich am besten anhand meiner wilden Skizzen.

Die Aufgabe war es je zehn Hosen und Jacken zu entwerfen. Mir war es wichtig, dass man in beiden Kleidungsstücken noch genug Bewegungsfreiheit hat, um zu tanzen. Und es tanzt sich viel einfacher, wenn man etwas bequemes trägt.

Die Hose sollte weit und luftig werden, trotzdem wollte ich die vielen Schichten darstellen, auswelchem der typsiche Rock besteht. Die Tracht ist typischer Weise waden- oder knielang, weswegen ich diese Länge unbedingt beibehalten wollte. Für einen festlichen Anlass wollte ich jedoch eine lange Hose haben. Also geht der erste Teil der Hose ein Stück weiter bis unter das Knie und der zweite Teil kommt aus dem Hosenbein raus, stellt die weiteren Schichten des eigentlichen Rocks dar und schließt somit die Hose ab. Für den unteren Teil der Hose habe ich mich für einen Leinenstoff entschieden, da die ursprüngliche Tracht aus Leinenstoffen besteht. Und welche andere Farbe schreit mehr nach Spreewald, wenn nicht ein frisches grün? Ein weiteres Extra bei meiner Hose: Sie hat Taschen. (Mehr muss ich dazu nicht sagen ; )

Bei der Jacke war es mir wichtig, dass die Form der Haube mit aufgegriffen wird. Ich habe eine gecroppte, enge Jacke modelliert. Sie schließt an der Taille ab, da eben die Tracht auch an der Taille „geteilt“ wird. Um die Jacke festlicher und eleganter zu machen, habe ich mich für einen Reverskragen entschieden. Das „Cape“ erinnert an die Form der Haube und ersetzt das Tuch, welches um den Oberkörper gewickelt wird. Und da die Spreewaldtracht nicht die Spreewaldtracht wäre ohne die aufwändigen Stickereien, habe ich eine minimalistsiche Stickerei in die Jacke mit eingebaut.

Und nun präsentiere ich euch: Eine Hommage an meine Heimat. Meine Kollektion „Uni Form Trash Polka“, eine Alternative zur herrkömmlichen Spreewaldtracht für die Frau. Sehr schnell angezogen, weniger Material, heimatbezogen bestickt und eine moderne Variante, die Tradition des Spreewalds zu verkörpern.

Ein großes Dankeschön an meine wunderbare Freundin und Model Lotta Friehmelt.

Ich bedanke mich ebenfalls bei meinem Dozenten, der uns dieses Semester mit so viel Herz und Motivation unterstützt hat.

Gurkige Grüße gehen an meine Familie, Freunde, Nachbarn, ehemalige Mitschüler und Bekannte aus dem Spreewald!


Posted

in

,

by

Tags:

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar